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Aus meinem Vorgespräch habe ich viele Informationen über das Leben eines Menschen erhalten. Die vollgeschriebenen Seiten liegen auf meinem Tisch, meist auch ein Foto der verstorbenen Person. Ich mag das um mich noch besser in den Menschen einfühlen zu können den ich, in der Regel, vorher nie kennengelernt habe.
Bevor ich mit der Ausarbeitung einer Abschiedsrede beginne mache ich meistens einen Spaziergang. Hier kann ich das Gespräch mit den Angehörigen noch einmal Revue passieren lassen. Was ist Ihnen wichtig, soll unbedingt erwähnt werden? Welche Musik, ein elementarer Bestandteil der Feier, wurde ausgewählt und was verbinden sie dadurch mit dem Verstorbenen? Gab es einen roten Faden in seinem Leben den ich in der Rede aufgreifen kann? Und vieles mehr…
Einen roten Faden, oder ein einmaliges Merkmal gibt es meist. Das wird mein Symbol an dem ich die Rede anlehne, an dem ich dieses Leben versuche zu beschreiben. Ein Leben, welches ich durch die Augen der Angehörigen kennenlernen durfte. Es soll nun in der Trauerfeier während weniger Minuten in passende Worte verpackt werden. Das ist meine Passion!
Ich tauche ein in dieses Leben, versuche mich hinein zu versetzen wie es gelebt wurde. Sehe Tugenden, Haltungen, Überzeugungen, Stärken, Schwächen. Viele, viele Puzzleteile, die zum Schluss auf einigen Seiten zu einem Ganzen werden. Wenn nicht schon im Gespräch, kommt mir während dem Spaziergang oder dem Schreiben ein kleines Ritual in den Sinn, welches gut in die Feier eingebunden werden kann und worüber ich mich mit den Angehörigen abstimme.
Überhaupt ist mir der enge Austausch mit meiner Kontaktperson wichtig. Einerseits um, auf beiden Seiten, eventuell aufkommende Fragen, Unklarheiten, Ergänzungen, eine Intuition abzustimmen. Anderseits ist es mir sehr wichtig, dass die Angehörigen durchgängig das Gefühl der Transparenz erhalten. Es wird ein sehr aufwühlender Tag werden, da tut eine gewisse Sicherheit im Ablauf gut. Schließlich ist diese Feier eine unwiederbringliche Zeremonie. Sie lässt sich nicht wiederholen.
Meine Reden sind individuell, jede ist ein Unikat. Genauso wie der Mensch es war über den ich schreibe. Nach dem Erstentwurf feile ich so lange daran, bis ich zufrieden damit bin, mich damit wohl fühle. Die Rede und ich müssen EINS sein. Erst dann habe ich das Gefühl meinem Anspruch gerecht zu werden. Denn ich erhalte seitens der Angehörigen einen großen Vertrauensvorschuss. Dessen bin ich mir sehr bewusst und den will ich erfüllen.
Die Trauerfeier für eine geliebten verstorbene Person ist eine schwere Stunde das steht außer Frage. Dennoch darf es eine Abschiedszeremonie sein, an die sich die Hinterbliebenen gerne erinnern. Und wenn ich das dann in meinem telefonischen Nachgespräch so oder so ähnlich höre, macht mich das sehr froh und zufrieden.
