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18. Mai 2021
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Schon als die Dame den Raum betrat spürte ich diese unglaubliche Wut in ihr. Ich ließ sie erstmal ankommen, begrüßte Sie zu unserem Trauergespräch und lud ein, einfach mal zu erzählen. Währenddessen verstärkte sich meine Wahrnehmung noch mehr. Deshalb sprach ich es offen an: „Ich nehme eine unglaubliche Wut in Ihnen wahr. Spüren Sie das auch?“ Nein, sie spüre keine Wut, antwortet sie mit beherrschter Stimme.
Die Emotion Wut ist leider noch immer sehr verpönt, gilt nicht als sehr populär. Dabei kann Wut, wenn man Sie als Energie betrachtet, ein unglaublicher Motor in Veränderungsprozessen sein. Und eine aktive Trauerphase bedeutet definitiv eine Veränderung. Oft sogar eine drastische.
Die Krucks an der Wut ist dass, wenn sie keine Möglichkeit findet sich Ausdruck zu verschaffen, kann sie sich in schädlicher Form gegen uns selbst richten. Also frage ich die Dame, ob Sie bereit wäre für ein Experiment und sie willigte ein.
Ich gab ihr meine selbstgebaute Indianertrommel und den Schlegel in die Hand und lud sie ein, drauf zu schlagen. Sie sieht erst mich, dann die Trommel in ihrer Hand mit ungläubigen Augen an. Beginnt dann aber doch, wenn auch zögerlich auf das Instrument zu klopfen. In meinem Dialekt würde man sagen zu „bebberle“.
„Das Fell stammt von einem polnischen Hirsch. Die Flecken darauf sind seine Narben die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Der hält schon noch etwas mehr aus“ erkläre ich ihr und lade sie ein die Trommel fester zu schlagen. „Es hört uns hier niemand“ ergänze ich motivierend und es passiert etwas Wunderbares.
Die Dame gewinnt immer mehr an Vertrauen. Ihre Schläge werden kraftvoller. Sie kann es zulassen, dass sich ihre Wutenergie mehr und mehr über dieses Trommelfell entladen darf. Das geht fast zwei Minuten so – das ist lang! Schließlich ist sie erschöpft, aber ihr Gesicht hat sich verändert, wirkt entspannter, gelöster.
„Es ist unglaublich“, sagt sie nach einer kurzen Verschnaufpause, „…ich habe meine Wut tatsächlich erst mit Hilfe der Trommel gespürt. Es hat sich etwas verändert in mir und“, sie sieht mich richtig belebt an, „ich kenne nun meinen nächsten Schritt. Er hat sich klar und deutlich gezeigt!“
Gerade in herausfordernden Zeiten fällt es uns schwer mal über den Tellerrand zu schauen, schwimmen doch allzu gern in der Suppe, um in diesem Bild zu bleiben. Das hat unterschiedliche Gründe. Es gibt aber auch unterschiedliche Wege um auf den Tellerrand zu klettern. Von hier den Überblick wieder zu gewinnen um weitergehen zu können. Wenn Sie mögen begleite ich Sie, bin für Sie da. Auch in Coronazeiten. Mit Indianertrommel oder mit dem, was wir gemeinsam für Sie in diesem Moment gerade herausfinden. Sie brauchen – ein bisschen Mut. Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme.
