
Spirituelles Singen, online?! Geht das überhaupt?!
25. November 2021
Meine Trauer
6. Dezember 2021
BLOG
Nach dem tödlichen Autounfall meiner ersten Katze stand ich völlig neben mir. Wir hatten einige Jahre unseres Lebens geteilt, uns einander angepasst, der Alltag war voll von gemeinsamen Ritualen. Die Katze war vom Wuchs sehr klein, total flauschig, eines ihrer freundlichen, stahlblauen Augen schielte leicht.
Tiger, war ihr Name. Aber eigentlich nur weil ihr fast weißes Fell ein bisschen mit hellgrauen Streifen durchzogen war. Ihr Charakter war überhaupt nicht „tigerisch“ , eher sehr besonders. Genauso wie unsere Beziehung. Tierhalter verstehen sicher was ich meine, wenn ich behaupte dass wir eine Seelenverwandtschaft hatten.
Als Freigänger war sie oft draußen und immer wenn ich nach Hause kam, egal zu welcher Uhrzeit, kam sie im gestreckten Galopp hergerannt um mich zu begrüßen. Der Verlust, ihr Fehlen war grausam!
Ich sehe noch heute, nach über 30 Jahren, dieses weiße Fellknäuel auf der Straße liegen. Noch bevor meine Augen die Situation erkannt und an das Gehirn weitergeleitet hatten, schrie mein Herz schon lautstark und schockiert: TIEGER! Ich rannte hin und das Blut begann gerade unter ihrem leblosen Körper hervor zu fließen. Es musste kurz davor passiert sein, vielleicht noch nicht mal eine halbe Minute her.
Es dauerte Tage, diesen Schock zu überwinden. Wie aus dem Nichts musste ich heulen, war tieftraurig, oft gedanklich gar nicht im Hier und Jetzt. Und so manches Mal hörte ich: „Des isch doch nur ä Katz. Was mach´sch dänn fir ä Gschiss!“ und „Hol dr doch ä anderi“.
Es bedeutete, ich solle mich wegen einer Katze nicht so anstellen, mir doch eine Neue holen. Die Trauer einfach zudecken mit einer Austausch-Katze und fertig. Erst später konnte ich erkennen, dass sich manch einer mit mir sicher überfordert fühlte und meinte mir damit einen guten Ratschlag zu geben.
Doch ich empfand diese Äußerungen damals als sehr unsensibel, fühlte mich nicht ernst genommen, mehr noch. Das tat doppelt weh. Ich war gerade sehr damit beschäftigt den Verlust um Tiger einzuordnen. Das kostete mich schon genug Kraft. Nun wurde mir auch noch suggeriert, ich sei irgendwie nicht in Ordnung, weil ich „um ein Tier“ trauerte.
Ich möchte alle Betroffenen ermutigen! Trauer, klagen und weinen ist eine völlig gesunde Reaktion auf den Verlust von etwas liebgewonnenen. Und JA (!) es ist auch vollkommen legitim ein Tier zu betrauern und das auch zu zeigen.
