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Der Tod eines Menschen betrifft immer mehrere Personen. Die Familie, Angehörige, Freunde, Bekannte, Vereinskameraden, Arbeitskollegen… Dies führt uns unmittelbar vor Augen wie zerbrechlich das Leben ist. Etwas Vertrautes, Gewohntes ist nicht mehr da. Alles, oder zumindest Vieles, ist plötzlich anders. Das kann ein heilloses Chaos in Herz und Kopf, im und um den ganzen Menschen auslösen. Die Situation ist schmerzlich und scheint manches Mal wie ein Film.
In meiner Rolle als freie Rednerin treffe ich die Hinterbliebenen in solchen Ausnahmesituationen. Dass es überhaupt zu diesem Besuch kommt braucht es Vertrauen der Angehörigen mir gegenüber. Es erfordert weiter Kraft und Mut, ein sich einlassen um über den frischen, schmerzlichen Verlust zu sprechen.
In einem geschützten Gesprächsraum dürfen Gedanken und Emotionen freien Ausdruck finden. Hier ist Platz für Tränen, Lachen, Dankbarkeit, Respekt, Nachdenkliches. Für Erinnerungen an Talente, Werte, Begeisterungen, Engagement, aber auch für Spannungen, Reibungen, schwierige Zeiten. Eben für alles, was das Leben ausmacht und dem Verstorbenen – und den Hinterbliebenen – wichtig ist und war.
Dafür nehme ich mir Zeit, und das sehr gern! Ein Vorgespräch dauert bei mit so lange, wie es dauert. Denn diese Gespräche sind etwas sehr intimes, wundes, zerbrechliches. Dafür braucht es eine vertrauensvolle Atmosphäre. Dann kann sich Sicherheit und Nähe entwickeln. Dies gelingt nicht, wenn die Uhr ständig im Blick ist.
Während dieses Vorgesprächs stelle ich Fragen. Ich lerne die verstorbene Person durch die Augen der Angehörigen in seiner Einzigartigkeit kennen. Dabei geht es mir nicht darum in meiner späteren Trauerrede jede Einzelheit aufzugreifen, sondern vielmehr darum später ein ganzes und authentisches Bild dieses Menschen nachzeichnen zu können.
Jedes Mal erlebe ich diese Dialoge anders, individuell, facettenreich. Eines bleibt allerdings gleich. Während solchen Gesprächen empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit und, so absurd es an der Stelle klingen mag, Glück darüber, diese Arbeit tun zu dürfen.
„Es hat unglaublich gut getan so frei zu erzählen und uns erinnern zu dürfen.“
„Das war nicht nur wohltuend, sondern heilsam. Vielen Dank für deine Zeit.“
„Während wir sprachen schien es mir fast so, als wäre sie/er hier anwesend gewesen.“
Wenn ich solche Sätze bei der Verabschiedung höre, dann sehe ich den ersten Teil meiner Aufgabe als freie Trauerrednerin erfüllt. Und ich spüre mit allem was ich bin – ich liebe, was ich tue!
Anschließend kommt der zweite Schritt. Meine vollgeschriebenen Seiten erzählen mir diese besondere und einzigartige Lebensgeschichte. Diese gilt es in eine individuelle Rede zu verwandeln. Aber darüber… erzähle ich ein anderes Mal.
