
Meine Trauer
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Was sehen Sie in dem Bild eines Seemanns?
Vielleicht verknüpfen Sie das Bild eines bärtigen Abenteurers den nichts umhaut. Ein Mann der auch den widrigsten Wettern und Stürmen auf hoher See trotzt. Ein echter Held der Meere. Durch nichts unterzukriegen.
Vielleicht fällt Ihnen das Lied von Lolita ein „Seemann, deine Heimat ist das Meer“. Eine Heimwehballade voller Herzscherz, Wind und Wellen, Freunde und Sterne. Ein hin- und hergerissen sein von der Sehnsucht in die Ferne und der geliebten Frau im sicheren Hafen.
Vielleicht sehen Sie aber auch einen armen Racker der von einem übergeordneten Offizier rumkommandiert wird und niedrige Arbeit zu noch niedrigerer Heuer leisten muss.
In jedem von uns entsteht ein unterschiedliches Bild von einem Seemann. Diese Wahrnehmung ist, wie bei allen Dingen, etwas höchst persönliches und hängt von vielen Faktoren ab. Unser Gehirn verknüpft diesen Input mit bisherig Gelerntes, Erlebnissen, unserer Persönlichkeit, der Erziehung, unseren Werten, Überzeugungen, Gewohnheiten und vieles mehr.
Unsere Wahrnehmung steht also immer, ob wir wollen oder nicht, in einem Kontext und kann niemals unabhängig oder neutral betrachtet werden. Die Eindrücke werden verknüpft mit unseren Erfahrungen und/oder Erinnerungen an ähnliche Bilder oder Situationen und entsprechend bewertet.
Und weil das bei uns allen so individuell ist behaupte ich, dass es kein „Richtig“ und „Falsch“ gibt. Und ich mag mir so gern vorstellen wie es wäre, wenn Menschen sich über ihre verschiedenen Wahrnehmungen austauschen und sich gegenseitig zuhören würden. Wie wäre dann wohl unser Zusammenleben?
…und wer weiß, womöglich würden dem Seemann noch ganz andere, neue, unerwartete Bilder und Assoziationen zugeordnet werden…
