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Auszug aus meinem Reisebericht Vanuatu
…wir sind auf Tanna, eine von 83 Inseln des Inselstaates Vanuatu. Heute besuchen wir ein ursprüngliches Dorf, ein kostbares Überbleibsel einer alten Kulturgemeinschaft. Ich fühle freudige Aufregung und auch ein bisschen Ehrfurcht. Mein erster Kontakt mit einem Häuptling. Wie begegne ich dieser Respektsperson? Wie spreche ich ihn an?
Wir treffen ihn mit ein paar weiteren Männern und Frauen auf dem Dorfplatz an. Die Frauen tragen bunt gefärbte Bastkleidung, die Männer sind lediglich mit einem Penisköcher bekleidet. Der Chief steht auf und kommt auf uns zu. Ich sehe in ein freundliches Antlitz. Aus seinem dunkelschokoladenbraunen Gesicht blitzt sein einladendes, entwaffnendes Lächeln.
„My Name is Peter“, sagt er während er mir die Hand zur Begrüßung reicht und ich frage verblüfft „Äh… Peter? Really Peter?“ Das hätte ich nun nicht erwartet! Eher einen für uns völlig unaussprechlichen Namen. Ich stelle mich vor und schon leitet Peter unser Gespräch ein. Er wüsste dass wir in unserer Welt ganz anders leben als sie hier in dem Village. Er freue sich sehr über unser Interesse an ihnen und ihrem Alltag. Es wäre seine Verantwortung als Chief des Stammes dieses alte Kulturgut an die Kinder, die Erben weiterzugeben und zu bewahren.
Das allerwichtigste für ein gutes Zusammenleben im Stamm sagt er, sei die Basis von Liebe und Respekt. Ein Leben nach dieser jahrhundertealten Art und Weise funktioniert nur, wenn sich jede und jeder als wichtiger Teil eines Ganzen sieht. Deshalb werden schon die Kleinkinder konsequent an diese Art des Gemeinschaftsleben herangeführt. Wie eh und je. Ich merke dass ihn das stolz macht und zolle ihm meinen ehrlichen Respekt. Koste es nicht viel Kraft und Disziplin um dem Nachwuchs diese alten, kostbaren Werte und Lebensweisen als etwas zu bewahrendes zu vermitteln, möchte ich wissen.
Und füge hinzu ob das, letztendlich auch durch uns Touristen, nicht immer schwieriger wird die jungen Menschen dahingehend zu motivieren so zu leben, wo doch die „Moderne“ immer näher rückt. Ob sich die beiden Lebensweisen nicht zunehmend vermischen und dieses Ursprüngliche sich sukzessive verwässert.
Er sieht mich direkt an und seine Augen werden traurig. Ja, es ist sehr schwer, kostet manchmal viel Energie offenbart er mir. Aber er sehe es als seine Passion und Aufgabe gegenüber seines Volkes und der Ahnen.
Und während unseres Gesprächs weht der Wind ein Stück Folienverpackung eines bekannten Schokoriegels über den Platz…
